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Nadja Bleistein
Bilder aus der Bewegung


von Hans Schödel

nadja bleistein.
1968 geboren in nürnberg.
1987-88 werkbund-werkstatt nürnberg.
1988-89 fachhoch-schule kommunikati-onsdesign nürnberg.
1989-96 akademie der bildenden künste nürnberg, klasse freie malerei von prof. werner knaupp.
seit 1998 im atelierhaus marienstraße.

Kohlezeichungen, deren Dynamik wildem Mal-Gestus entspringt. Rätselhafte Farbstrukturen, deren Oberfläche zu Berührungen reizt. Serielle Reihungen aus Punkten oder Farbflächen, deren Rhythmus gespannte Ruhe verströmt. Nadja Bleisteins Bilder entziehen sich einer einheiltichen Beschreibung. Und dennoch haben sie alle eines gemeinsam: Sie strotzen vor Kraft und emotionaler Bild-Wirkung. In harmonischen Kompositionen entfalten sie eine ästhetische Wirkung, die weit davon entfernt ist, beliebig zu werden.


Kohle auf Papier (Ausschnitt)
1990

"Aus der Bewegung" entsteht 1990 der gleichnamige, erste Werkzyklus der Nürnbergerin. In gleichsam meditativer Konzentration, ganz eins mit den großen Papierbahnen vor sich und den Kohlestücken in jeder Hand, gibt sich die Künstlerin der Bewegung von Armen und Händen hin - bis schließlich ein Geflecht aus Linien entsteht, das schwarz auf weiß die Dynamik seines Entstehungsprozesses widergibt. Wie ein Tanz wirkt der Zeichen-Akt, bedächtige Phasen wechseln mit explosiven Gesten. Und doch vollzieht sich alles in der Abgeschiedenheit des Ateliers, fern von Publikum. Was bleibt, sind die Spuren der Bewegung - in Form von weiten Schwüngen, dichten Linien-Bündeln und nicht selten Perforationen der Papier-Oberfläche.

Organische Kreisform


Kohle und Leinöl
auf Papier
200x220 cm
1991

Ein Merkmal zeigen all diese Bilder, die aus dem Schwung alleine von Armen und Händen entstehen, während die Künstlerin ansonsten bewegungslos vor den Papierbahnen steht: Sie bilden den Aktions-Radius der Hände ab. Eine organische Kreisform entsteht. Und schließlich ist es nur noch diese Form, die übrig bleibt in den Arbeiten von Nadja Bleistein - die Essenz der Bewegung. Die Bilder werden ruhiger, die Künstlerin konzentriert sich auf den Kreis als Symbol von Einheit, innerer Ruhe und Vollkommenheit.

Farbrausch


Skizzenbuch
Öl und Pigment
auf Papier
1992

Als sie von einem längeren Aufenthalt in Indien zurückkehrt, ist Nadja Bleistein überwältigt von den Farben dieses Landes. Ihr Skizzenbuch ist angeschwollen von leuchtenden Pigmenten aus den Wüsten-Tempeln Rajasthans. Und die Künstlerin wendet sich einer neuen Schaffensphase zu: Bald bestimmt alleine die Kraft der Farben ihre Bilder. Es entstehen Blätter, die mit dem Attribut "monochrom" nicht hinreichend beschrieben sind. Denn das Farb-Pigment, meist schlicht mit Leinöl aufgebracht, entfaltet eigene Texturen, Schattierungen, und eine faszinierende Räumlichkeit.

Malen mit allen Sinnen


Öl und Pigment auf Papier, mehrteilig
70x100 cm
1993

Farbdurchtränkte Blätter türmen sich zu Stapeln, als wären sie Manuskripte aus der Tiefe einer Erinnerung. Rottöne von Rost bis Blut reihen sich zu visuellen Symphonien. Und wieder verströmt jedes einzelne Bild eine Kraft, die sich nur aus seiner Entstehung erklären lässt: Mit bloßen Händen trägt Nadja Bleistein das Pigment auf. Das Malen bezeichnet sie als synästhetischen Prozess, bei dem der Geruch des Leinöls, die Beschaffenheit des Pigment-Pulvers und die Oberflächenstruktur des Papiers oder der Leinwand zu einem einzigen Erlebnis verschmelzen, das sich im Werk schließlich abbildet.

Bewegung und Farbe


Acryl auf Leinwand, mehrteilig
140x100 cm
2000

Und dann entwickelt Bleistein auch die Arbeit mit solchen Farbflächen weiter. Zum bis dahin vorherrschenden Rot gesellen sich neue Farben. Leinwand bekommt immer öfter den Vorzug vor Papier. Die einzelnen Bilder zeigen sich im Farbton deutlicher abgestuft, ein Mal-Duktus wird erkennbar. In einer neuen Serie von Bewegungs-Bildern schließlich tauchen wieder die kraftvollen Striche der ersten Schaffenszeit auf - diesmal farbig und in Acryl! Und ein wenig bewusster gelenkt, zu geometrischen oder organischen Formen von hoher suggestiver Wirkung.

Poetischer Rhythmus


Öl, Pigment, Kreide
auf Papier
60x80 cm
1998

Einen Kontrapunkt zu diesen dominanten, kraftvollen Arbeiten bilden Nadja Bleisteins "Punktebilder", fast schon so etwas wie ein Markenzeichen der Künstlerin. Fröhliche Flecken in beruhigender Ordnung sind Ausdruck von innerem Rhythmus. Und doch folgen sie nicht einem starren Raster - gerade die kleinen Abweichungen von der Geometrie sind es, die die Poesie dieser Bilder ausmachen. Nicht ein starrer Plan prägt diese Arbeiten, auch hier spielt die entscheidende Rolle vor allem Eines: die Bewegung beim Malen.


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